Teilleistungsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lernblockaden, Apathie, Aggressionen und depressive Verstimmungen sind typische jugendliche Begleiter. Insbesondere zum Zeitpunkt der ausklingenden Corona-Pandemie ist diese Situation teilweise eskaliert. Um Jugendliche wieder in Verbindung mit ihrem eigentlichen Lebensplan zu bringen, kann mittels professioneller Kinesiologie und Homöopathie wieder Zuversicht in ihr Leben gebracht werden. Dieser Artikel zeigt mögliche Ansätze in dieser Richtung auf.
Sind motorische und psychische Krankheitsbilder oder Symptomenkomplexe im genannten Sinne bei Jugendlichen vorhanden, ist in aller Regel bereits in der frühen Kindheit einiges schiefgelaufen. Angefangen bei Problemen während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit über schwierige frühkindliche Phasen bis hin zu negativen Prägungen und nachteiligen Entwicklungen in den ersten Schuljahren, kann alles mit dabei sein. Fehlernährung in der frühen und späten Kindheit (vor allem zu viel Zucker, Weissmehl, Milchprodukte und gesättigte Fette) sowie ungeregelter Medienkonsum in Kombination mit fehlender Bewegung (gerade während der Corona-Pandemie) sind an dieser Stelle hervorzuheben. Nicht zuletzt sind Kinder den Launen der Eltern und von Betreuenden ausgesetzt.
Die Ausprägung von Urvertrauen wurde vom Autor als essenziell beschrieben, weil damit sichergestellt ist, dass eine Transformation in eine selbstsichere Identität erfolgen kann und auf diese Weise eine regelrechte neurologische Entwicklung einsetzt. Reflexartig angelegte frühkindliche neurologische Muster, die zunächst das Überleben des Kindes sichern, werden in der Folge in übergeordnete neurologische Muster transformiert. Das gilt insbesondere für die Altersphase von 0 bis 7 Jahren.
Entwickelt sich eine solche selbstsichere Identität aufgrund von Ängsten, Wut, Gewalt, falscher Ernährung, Bewegungsmangel, hohem Medienkonsum, Belastungen durch Schwermetalle und weiteren negativen Einflüssen nicht in diesem Sinne, fehlt die nötige motorische Integration für das Schulalter. Reaktiv ausgelöste negative Emotionen beeinflussen das Überlebenssystem des limbischen Systems im Sinne von Kampf- und Flucht-Instinkten über die Amygdala, sodass sich emotionale Krisen und die motorische Desintegration wiederum verstärken und am Ende Angst- und Panikstörungen, Aggressionen, Aufmerksamkeitsdefizite, Nervosität und Hyperaktivitätsstörungen oft die Regel sind, nicht zuletzt motorisch auch Dyspraxien, Koordinations- und feinmotorische Entwicklungsstörungen. Eine weitere Option sind später in der Schule wahrzunehmende Dysfunktionen wie Dyslexie, Legasthenie oder Dyskalkulie. Schule ist dann anstrengend und wird gerne abgelehnt … Jetzt beisst sich die „Katze in den Schwanz» und es braucht einiges an Kraft, entstandene Apathie, fehlende Konzentration und vor allem die Frustration zu durchbrechen.
Themenübersicht
- Motorische Dysfunktionen als Ursache von Entwicklungsverzögerungen
- Manuell-energetisch-kinesiologische Zentrierung in der Praxis
- Homöopathische Unterstützungen bei Angst- und Panikstörungen
- Homöopathische Unterstützungen bei aggressiven Verhaltensweisen
- Homöopathische Konstitutionsmittel zur Entwicklungsförderung
- Fazit
Motorische Dysfunktionen als eine grundlegende Ursache von Entwicklungsverzögerungen
Eine regelrechte neurologische Entwicklung des Kindes inklusive der Ablösung ursprünglich zum Überleben notwendiger frühkindlicher Muster wurde beschrieben. Im Baby natürliche Schutzreflexe wie der Angst-Lähmungs-Reflex (Zusammenzucken und die Hände schützend um Körper und Kopf halten nach einer Reizeinwirkung) oder auch der Moro-Reflex (Klammerreflex mit Öffnen und Schliessen der Arme) sollten längst im älteren Kind abgelöst sein durch eloquentere neuronale Muster. Aufgrund von Praxisbeobachtungen ist das bei vielen Kindern und Jugendlichen leider nicht der Fall.
Nach den Praxisbeobachtungen des Autors zeigt ein Grossteil der Kinder, die wegen Behandlungen in die Praxis kommen, viele dieser frühkindlichen Prägungen, die ihnen entsprechende Probleme bereiten. Rein mentale Unterstützungen wie Lernberatung und Nachhilfe greifen dann nach seiner Erfahrung oft zu kurz.
In diesem Zusammenhang muss bei Jugendlichen und Erwachsenen zunächst ähnlich wie bei Klein- oder Grundschulkindern Basisarbeit geleistet werden, um frühkindliche Reflexprofile zur Ablösung zu bringen: Die Integration des Beckens in Abstimmung mit der Schulter-Hals-Kopf-Partie in den Dimensionen Oben-Unten, Vorne-Hinten sowie Links-Rechts, auch hinsichtlich der Gleichgewichtsorganisation, sind hier entscheidend. Denn fehlt diese Zentrierung, treten massive neurologische, emotionale und kognitive Ausfälle und Störungen auf. Die Integration der lebenslang aktiven Stellreflexe ist hier ein notwendiger Schlüssel.
Manuell-energetisch-kinesiologische Zentrierung in der Praxis
Physiologisch sollten die Stellreflexe normalerweise bis ins Alter von acht Jahren integriert sein, um Schreiben, Lesen und Rechnen leicht erlernen zu können und motorisch geschickt zu agieren. Zudem geht auch emotionale Stabilität und Sicherheit mit ihnen einher. Mit dieser Integration wäre eine Jugendphase erträglich und ein Grundmass an Konzentration sollte möglich sein. Da jedoch fast alle Jugendlichen, die in die Praxis kommen, mangelhaft zentriert sind, wird klar, warum sie sich so schwertun. In Folge überreagiert dazu noch die Amygdala im limbischen System und aktiviert, neben anderen Dingen, Kampf- und Flucht-Mechanismen. Auf diese Weise kommt es zusätzlich zu reaktiven Traumatisierungen. Lernen wird dann immer schwerer, weil innere Ablehnungen und Auflehnungen existieren. Die Prognose für die weitere biografische Entwicklung lässt dann zu wünschen übrig. An diesem Punkt setzt die Arbeit der professionellen Kinesiologie an.
Ferner kann wie bei der Arbeit mit Kindern auch bei Jugendlichen und Erwachsenen mittels der bereits beschriebenen Funktionstests eine mangelnde Zusammenarbeit von Schulter-Nacken-Kopf mit dem Becken unmittelbar aufgedeckt werden. Ist dies der Fall, wird mithilfe von Akupressur diese Matrix mit dazugehörigen Muskeln integriert. Wichtige Akupressurpunkte sind dafür Ni 10 & 22-27, Bl 1, 54 & 66, Lu 1 & 8, Di 1 & 20, Le 1 & 14, Gb 1 & 41, Ma 1 & 35, MP 3 & 21, He 1 & 8, Dü 5 & 19, Pe 1 & 4 sowie 3E 4 & 23. Der Bedarf und die Länge der Behandlung kann durch wiederholte Funktionstests kinesiologisch ermittelt werden.
Ergänzend erfolgt bei Jugendlichen die Balance des Zungenbeins (Hyoideus), der Schrittreflexe und des Gleichgewichts. Ziel ist, dass vormals aktive frühkindliche Reflexe die Entwicklung nicht mehr behindern. Schule, Lernen und Bewegen können dann wieder leichter fallen. Manuelle und professionell kinesiologische Techniken setzen genau hier an.
Homöopathische Unterstützungen bei Angst- und Panikstörungen
In der homöopathischen Materia medica werden pflanzliche Mittel eher emotionalen Prägungen zugeordnet, tierische Mittel eher festsitzenden, tiefer liegenden Blockaden.
Der Unterschied der Wirkung von tierischen und pflanzlichen homöopathischen Mitteln wurde im genannten Artikel des Autors bereits beschrieben: In der homöopathischen Materia medica werden pflanzliche Mittel eher emotionalen Prägungen zugeordnet, tierische Mittel eher festsitzenden, tiefer liegenden Blockaden. Während bei Kindern häufig pflanzliche Mittel im Vordergrund stehen, braucht es bei Jugendlichen und Erwachsenen mehr Zeit und Sorgfalt. Zudem werden hier sowohl Nosoden als auch mineralische Mittel vermehrt eingesetzt, in der Behandlung braucht es öfters sogenannte konstitutionelle Mittel.
Für Panik- und Angstzustände bei Jugendlichen beschreibt die Materia medica in erster Linie Aconitum. Belladonna gehört klassisch zum Bild von Angstträumen und Streckspasmen, insbesondere bei fiebrigen Infekten mit Schweiss. Zum Bild von Prüfungsangst und Lampenfieber bei schlank-blassen, nervösen Jugendlichen passt Argentum nitricum, bei guter Vorbereitung mit zittriger Angst und Erschöpfung eher Gelsemium. In destruktiven Umständen mit Gewalt wird bei genauen und unsicheren Kindern zudem Arsenicum album beschrieben. Welches Mittel in welcher Potenz und in welchem Rhythmus tatsächlich infrage kommt, gehört in die Beurteilung einer erfahrenen Fachperson.
Zum Bild von Pulsatilla gehören schüchterne und empfindliche Jugendliche mit sensibler Verdauung und empfindlicher (Akne-)Haut sowie eine schmerzhafte Menstruation. In dieser Situation rückt oft bereits das „erwachsene» Mittel Sepia ins Blickfeld, das in der Materia medica dem Übergang vom Kind zur Frau zugeordnet wird.
Die hier genannten Mittel sind wichtig und hilfreich, können aber sicher nur eine Auswahl zahlreicher weiterer Optionen darstellen. Hier sei auf einschlägige Literatur und die Repertorien verwiesen und auf die Ausbildungen des Autors.
Homöopathische Unterstützungen bei aggressiven Verhaltensweisen
Für diesen Bereich sind einige pflanzliche Highlights zu nennen. Bei Mobbing und Demütigungen aller Art wird bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Stephanskorn (Delphinium staphisagria) beschrieben, dessen Arzneimittelbild wütende, selbstdestruktive oder apathische Schockzustände umfasst. Bleiben solche Belastungen unbearbeitet, können sich nach Erfahrung des Autors auch körperliche Beschwerden und ein Verlust an innerer Stabilität einstellen.
Bei Hinterlist, Eifersucht oder sexueller Gewalt kann auch an das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) gedacht werden, denn es hilft dabei, den Schock abzulösen. Hyoscyamus wird in der Materia medica ferner bei schweren, nicht enden wollenden, nächtlichen Hustenanfällen geführt. Wären die Nachtschattengewächse noch nicht erfunden worden, müsste man sie sofort erfinden!
Stramonium wird bei Jugendlichen wie bei Kindern dem Bild tätlicher Wutanfälle zugeordnet, ausgelöst durch abgrundtiefe Einsamkeit und Panik.
Bei apathischen Zuständen von Jugendlichen wird Helleborus beschrieben. Die Christrose blüht im Winter und fruchtet im Sommer, in der Materia medica steht sie für das Aufbrechen eingefahrener, apathischer Zyklen.
Homöopathische Konstitutionsmittel zur Entwicklungsförderung bei Jugendlichen
Wurden Kinder nie oder nur kurz mit Calcium carbonicum oder Calcium phosphoricum begleitet, kann dieses Thema auch bei Jugendlichen und Erwachsenen noch eine Rolle spielen. Die Wahl der Potenz gehört dabei in die Beurteilung einer erfahrenen Fachperson. In der homöopathischen Lehre spielt potenziertes Calcium im Aufbaustoffwechsel von Heranwachsenden eine wichtige Rolle. Bleibt dieser Aufbau nach diesem Verständnis gestört, zeigt sich das häufig in schüchterner Zurückgezogenheit, und Jugendliche wie Erwachsene stellen sich dann ihren möglichen Herausforderungen und Chancen weniger.
Bei männlichen Jugendlichen wird Lycopodium dem Bild von mangelndem Selbstbewusstsein zugeordnet. Bleiben jedoch Ängste und Unsicherheiten bestehen, tritt bei Jugendlichen früher oder später eine kompensatorische Wut auf, die sich nach aussen richtet und sich destruktiv entfaltet. Hier ist häufig die ätzende „Kalkschwefelleber» (Gemisch aus Perlmutt von Austern und Schwefel in Säure gelöst) angesagt. Hepar sulfuris gehört in solchen Situationen zu den in der Materia medica genannten Mitteln.
Phosphorus wird bei Jugendlichen mit starker Erschöpfung und Energiemangel als weitere Option genannt. Potenz und Einnahmezeitpunkt legt dabei die behandelnde Fachperson fest.
Bei weiblichen Jugendlichen wird Ignatia dem Bild von Trauer und Schockzuständen zugeordnet, tiefe Unsicherheit dem Bild von Silicea. Menstruationsbeschwerden werden in der Materia medica unter anderem bei Sepia geführt, Fragen der sexuellen Identität bei Thuja.
Nach häufigen Antibiotikagaben wird bei Jugendlichen und Erwachsenen Sulphur genannt. Der Schwefel bringt wichtige Aufbauprozesse in Gang und schafft wieder die Kraft herbei, aus brillantem Chaos eine positive Ordnung schrittweise zu etablieren.
Fazit
Diese Darstellung kann sicher nicht erschöpfend sein, soll aber einige Ideen geben, Jugendlichen wieder eine positive Heimat einzuräumen durch die Kraft der professionellen Kinesiologie und Körperarbeit sowie durch die Segnungen der Homöopathie!