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Strukturelle Integration und Resilienz
APAMED Fachschule für KomplementärTherapie & psychosoziale Beratung Strukturelle Integration

Innere Stärke aus den Faszien: Wie Strukturelle Integration die Resilienz stärkt

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Innere Stärke aus den Faszien: Wie Strukturelle Integration die Resilienz stärkt

Resilienz ist mehr als die Summe unserer Ressourcen. Sie beschreibt die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten und wieder ins Gleichgewicht zu finden. In der Strukturellen Integration arbeite ich an dieser Fähigkeit nicht über das Gespräch, sondern über den Körper. Dieser Beitrag geht auf meinen Gastauftritt im Podcast «Komplementärtherapie im Fokus» zurück, in dem ich zeigen durfte, wie körperliche Ausrichtung und innere Stärke zusammenhängen.

Die zentrale Linie: Ausrichtung schafft Stärke

Eine der Kernzielsetzungen der Strukturellen Integration ist es, den Körper über eine Serie aufeinander aufbauender Sitzungen leichter in der Schwerkraft auszubalancieren. Ich spreche dabei gerne von der zentralen Linie, einer gedachten Achse, auf die sich der Mensch stellen kann und die als eigentlicher Kern durch den Körper zieht. Wer diese Linie findet, findet zugleich einen Zugang zu seiner inneren Stärke.

In jeder Sitzung geht es um ein etwas anderes Thema. Nach und nach richte ich die grossen Container aus, also Kopf, Brustkorb, Becken und Beine, sodass die Schwerkraft optimaler auf sie wirken kann. Ist der Körper besser ausgerichtet, verbraucht er weniger Energie für die reine Haltung. Genau diese Energie steht dann wieder zur Verfügung, um ins Leben einzusteigen.

Eine aufrechtere Haltung bleibt selten ohne Wirkung auf die Persönlichkeit. Wer aufgerichtet in der Welt steht, bekommt einen anderen Blick auf sie, und die Menschen reagieren anders auf ihn. Dazu lassen sich Schmerzen oft deutlich reduzieren oder ganz lösen. Unser Prozess geht kaum je vorbei, ohne dass sich auch etwas im Positiven an der Persönlichkeit verändert.

Wir arbeiten an den Faszien, nicht an den Knochen

Gearbeitet wird hauptsächlich mit den Faszienstrukturen. Ich manipuliere nicht die Knochen, sondern das Gewebe. Die Faszien werden so gelöst, dass Muskulatur und Bindegewebe frei genug werden, um nachzugeben, und die Skelettstruktur sich neu orientieren kann. Der Körper findet auf diese Weise einen anderen Weg, sich zu ordnen.

Dieser ganzheitliche Blick ist entscheidend, denn in den Faszien ist nicht nur Struktur gespeichert. Das Gewebe reagiert auf das, was wir erleben. Wenn durch die Ausrichtung wieder mehr Raum entsteht, verbinde ich das gern mit dem, was in der Resilienzforschung Containment heisst: der Fähigkeit, halten und aushalten zu können. Aus einem ausbalancierten, aufgerichteten Körper heraus entsteht eine andere Form von Widerstandskraft.

Sehr oft sind Menschen, wenn sie zu mir kommen, in einem typischen Stresszustand zusammengezogen. Öffnet sich dieser Zustand, gibt das wieder Zugang und Kapazität frei. Mit einem ausgerichteten Körper lassen sich die Stressoren, die auf uns zukommen und uns durchaus auch weiterbringen können, besser bewältigen.

Wenn sich im Gewebe Gespeichertes löst

Das Gewebe speichert Dinge, mit denen im Moment ihres Entstehens nicht gut umgegangen werden konnte. Berührt man während der Behandlung eine solche Zone, lösen sich manchmal die Erinnerungen und Gedanken, die damit verbunden sind. Das schätze ich an der Methode besonders: Es geschieht, ohne dass man alles zerreden muss.

Immer wieder sagen Menschen zu mir, gerade habe sie etwas verlassen. Sie stehen von der Liege auf, stellen sich anders hin und wirken aufgerichteter. Ein positives Selbstbild und ein zuversichtlicher Blick auf das, was kommen mag, gehören zu den zentralen Resilienzfaktoren. Hier stellt sich beides ein, weil sich etwas im Körper gelöst hat, nicht weil wir lange darüber gesprochen haben. Das ist für mich das schöne Angebot der Körperarbeit: Wir können einfach einmal nur über den Körper gehen.

Aus der Praxis: vom Schmerz zur Selbstsicherheit

Ein Klient, Mitte bis Ende zwanzig, kam mit einem klaren Anliegen. Er hatte das Klettern für sich entdeckt und war begeistert, doch nach kurzer Zeit wurde seine Atmung eng, der Brustkorb schloss sich und er musste fast in Richtung Panik aufhören. Er hatte eine ausgeprägt kyphotische Grundhaltung, einen Rundrücken, der zusätzlich Druck auf das Zwerchfell setzte.

Wir haben Sitzung um Sitzung daran gearbeitet, und die körperliche Symptomatik wurde von selbst besser. Er richtete sich sichtbar auf, seine Mutter meinte, er werde ja immer grösser. Im selben Prozess begann er, grundsätzlicher über sein Leben nachzudenken. Am Ende hatte er seinen Bürojob gekündigt, weil er verstanden hatte, dass er etwas anderes machen wollte. Über das Bouldern fand er zudem neue Trainingspartner, und sein Netzwerk erweiterte sich. Der rein körperliche Aufbau hatte ihm geholfen, sich anders in die Welt zu stellen, mehr Selbstsicherheit zu finden und Verantwortung für sich zu übernehmen.

Wenn der Körper der Zugang ist

Menschen kommen in aller Regel wegen körperlicher Anliegen zu mir, wegen Rücken, Hüfte, Knie, Schultern oder Nacken. Wir stehen dabei oft in der zweiten Reihe, wenn die üblichen Wege nicht ausgereicht haben. Emotional-psychische Anliegen sind nicht unsere Kernklientel, doch ich kenne auch sie.

Eine Klientin kam mit dem ausdrücklichen Wunsch, es über den Körper anzugehen. Sie hatte eine lange Geschichte an Gesprächstherapie hinter sich und war weiterhin begleitet. Ihr Anliegen war, beide Seiten auszugleichen. Jede Sitzung hatte bei ihr einen emotionalen Nachhall. Mit der Zeit begann sie, ihre Bedürfnisse deutlicher zu melden, Grenzen zu setzen und sich selbstsicherer zu zeigen. Sie hat ihren Freundeskreis verändert und einen beruflichen Weg eingeschlagen, der besser zu ihr passt.

Resilienz entsteht aus Ausrichtung

Ob eine strukturelle Enge im Brustkorb oder ein emotionales Anliegen, so unterschiedlich die Ausgangslagen sind, so ähnlich ist der Weg. Wo etwas ausgerichtet und in eine Ganzheit gebracht wird, kann die zentrale Linie wieder entstehen. Es gibt mehr Raum und mehr Freiheit, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.

Bessere Ausrichtung und mehr Balance geben Energie frei und schenken eine Haltung, die einem erlaubt, das Leben stärker anzugehen. Genau darin zeigen sich die typischen Resilienzfaktoren: mehr Vertrauen in sich selbst, ein positiverer Blick, mehr Optimismus und tragende Beziehungen. Die Stärkung der individuellen Resilienz ist ein massgeblicher Faktor für einen nachhaltigen Veränderungsprozess, und der Körper ist dafür ein verlässlicher Zugang.

Zum Nachhören: Das ganze Gespräch mit Tamara Odermatt ist im Podcast «Komplementärtherapie im Fokus» erschienen, in der Folge «Wie wächst innere Stärke? Resilienz aus der Perspektive von fünf verschiedenen Methoden der Komplementärtherapie, Teil 1». Anhören auf Spotify oder Apple Podcasts.

Verfasst von

Joachim Schultz

Joachim Schultz ist Komplementärtherapeut mit eidgenössischem Diplom in der Methode Strukturelle Integration und führt eine eigene Praxis in Zürich. An der Fachschule Apamed ist er Ausbildungsleiter für Strukturelle Integration, zudem ist er Prüfungsexperte der OdA KT.


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